Markus Scheuner "RESET" 06-29.11.2009

01 November 2009





RESET ist ein Transformationsangriff in drei Phasen.
„DIE AKTE SHAMOUS"
„PER TOIS".
„MISSILE JAMS".
DIE AKTE SHAMOUS ist eine umfassende, chaotisch experimentelle Bestandsaufnahme meines Gehirns aus den letzten 2 Jahren. Ich habe es sozusagen in Einzelteile zerlegt, betrachtet, dokumentiert und anschließend in einer Akte wieder zusammengelegt. Dabei ist SHAMOUS wie eine Romanfigur, die sagen darf, was sie will und die keine Rücksicht nehmen muss, am wenigsten auf sich selbst.

Ich fing damit an die Gesichter auf Zeitschriften und Illustrierten zu schwärzen, weil ich die sich mir aufdrängende Dummheit, die aus diesen Gesichtern herausbefehligt wird nicht mehr sehen konnte. Ich fuhr fort mit Fotografien von Tie-ren. Tiere, die in einer diktatorischen, besserwisserischen Art dargestellt waren, die den Tieren alles eigentümliche raubt. Das Schwarz hat eine erlösende Wirkung auf mich und auch auf die übermalten Wesen, glaube ich.“



Es wird eine Auswahl von über 300 Zeichnungen und Collagen gezeigt, die aus autobiografischen, gesellschaftlichen oder spielerischen Ambitionen fast reflexartig entstandenden sind. Isolierte Gegenwartsprodukte, die zusammengeführt wie eine homogene aktuelle Masse wirken.

In „PER TOIS" arbeitet Scheuner mit Fotografien und Druckerzeugnissen. Menschen, Gruppen und Tieren werden ihre Gesichter schwarz übermalt, manche ergänzt um weiße Glotzaugen und es entstehen Freiflächen, die den Betrachter geradezu auffordern, sie neu zu füllen.
„Ich fing damit an die Gesichter auf Zeitschriften und Illustrierten zu schwärzen, weil ich die sich mir aufdrängende Dummheit, die aus diesen Gesichtern herausbefehligt wird nicht mehr sehen konnte. Ich fuhr fort mit Fotografien von Tie-ren. Tiere, die in einer diktatorischen, besserwisserischen Art dargestellt waren, die den Tieren alles eigentümliche raubt. Das Schwarz hat eine erlösende Wirkung auf mich und auch auf die übermalten Wesen, glaube ich.“

In der Serie „MISSILE JAM“ kommt es schließlich zu einer „Konstruktionslasur“. Der Künstler operiert hier mit der Linie und nur in Schwarz. „Ich musste etwas tun, wusste aber nicht was, so fing ich an Linien zu ziehen. Sie durften alles, nur keine Bedeutung haben.“

Die von Hand gezogenen Linien scheinen sich frei zu bewegen, werden von anderen Linien wie bei einer Licht-brechung abgelenkt, oder laufen aus. Die Linien bilden hunderte von Flächen, die wahlweise gefüllt werden. Linienlasuren könnte man die Bilder nennen. Linien, die nie unbekümmert gezogen wurden. Nie romantisch, aber auch nie gefühllos. Auch das Material spielt eine entscheidende Rolle. Es garantiert den ungehinderten fließenden Lauf. Lack auf lackierten Leinwänden oder herkömmlichen Kacheln, die dann auch vereinigt wer-den können. Die so aus vielen einzelnen zierlichen Zeichnungen zusammengelegten Kacheln besitzen plötzlich etwas schlagendes. „MISSILE JAMS“ zeigen sich als Elemente der Vehemenz und Ursprung von subjektivem Zwang zur Freiheit. Sie verkörpern in ihrer filigranen Strenge den Drang nach Bewegungsfreiheit, zerstören aber gleichzeitig das Beabsichtigte und erzeugen es auf eine andere Weise.


Markus Scheuner
Geboren 1966 in Frankfurt am Main
Autodidakt, beginnt 1994 mit Malerei und Zeichnung
Lebt und arbeitet in Berlin
Email: dr.scheuner@web.de

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